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Künstler

Mit Arbeiten von Riva Feigenbaum, dem jüngsten Mitglied des anonymen US-amerikanischen Künstlerkollektivs THE FEIGENBAUMS vertritt KMH.GALLERY bereits die 3. Werkreihe der öffentlichkeitsscheuen Gruppierung. Mit ihren flüchtigen Großprojektionen im öffentlichen Raum, deren Dokumentation sie nur in ausgewählten Zirkeln zeigt, propagiert sie den analogen Gegenentwurf zu den Echokammern des Internets.   

Die in Brooklyn geborene Multimediakünstlerin lebt und arbeitet nahe San Francisco und ist in ihren Filminstallationen und Photographie-Serien, die sich immer wieder ironisch mit den medialen Auswüchsen unserer Zeit auseinandersetzen, von ihrem ganz eigenen Umfeld beeinflusst. Überwachungskameras, künstliche Intelligenz und Cloud services - Rivas inspirativen Jagdgründe sind die hacker hostels von Paolo Alto.

 

Die in Los Angeles als Tochter deutscher Expats geborene Malerin, Skulpteurin und Schauspielerin Mela Feigenbaum studiert nach ihrer Bildhauerausbildung bei Prof. Förg und Prof. Oehlen freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ihre Arbeiten gleichen einem neonbunten Spielplatz der schwarzen Romantik. Ein zaubertrickhaftes Daumenkino, eine eklektisch verdichtete Bühnenschau des Absurden. Ein multisensorischer Blick in verlockende Parallelwelten. Feigenbaum kombiniert alte Maltechniken mit dem rastlosen Erzählrythmus von social media. Eine rauschhafte Inszenierung persönlicher Traumwelten, überladen und surreal.

Gemeinsam mit dem schweizerisch-amerikanischen Konzeptkünstler Maximilian Rosenbluth formiert die als eine der interessantesten Entdeckungen des deutschen Marktes gehandelte Mitdreißigerin das Kollektiv THE FEIGENBAUMS. Die Künstlergruppe mischt seit 2014 mit messerscharfen Inszenierungen, Audioskulpturen, Objekten und filmischen Installationen den arrivierten deutschen Kunstbetrieb ordentlich durcheinander. Die Künstlerin lebt und arbeitet in München, Berlin und Neapel.

 

Maximilian Rosenbluth ist der Dekonstruktivist unter den Lichtmalern. Der schweizerisch-amerikanische Filmschaffende peitscht seine Sujets durch die unterschiedlichsten Verfahren der Phototechnik, pendelt in mehreren Reproduktionsprozessen zwischen analog und digital, Nassplatte und Polaroid, Farbe und Schwarz-Weiß hin und her, um sich immer weiter von der ursprünglichen Realinszenierung zu entfernen und eine aleatorische, von Zufällen abhängige ästhetische Verschiebung zu erreichen.

Die charakterlichen Inszenierung der Protagonisten erinnert an Standphotos, Momentaufnahmen einer narrativen, eher filmischen Erzählweise. Dem Bedeutungszusammenhang des Kontexts beraubt, geben die Tableaus Interpretationsspielräume frei, wobei der Betrachter sich nicht so leicht von der unterschwellig unheilvollen Stimmung freimachen kann.

 

Gunnar Lillehammer ist Film- und Wirtschaftswissenschaftler, Starblogger, Charaktermodel und Photograph. Der Philosoph unter den Neuen Wilden entzieht sich allen herkömmlichen Einordnungen. Inhaltlich bewegt sich der Deutsch-Schwede auf den Spuren des Jahrhundertphotographen August Sander. Lillehammers Langzeitbeobachtung styleclicker dokumentierte eindrucksvoll Wechselwirkungen zwischen Identität und Bekleidung, eine präzise Zeitdokumentation des neuen Jahrtausends.

Als Wandler zwischen den Welten schafft es scheinbar spielerisch, inszenierte Fashion Editorials zu publizieren und sich in freien Arbeiten dennoch seinen unnachahmlich sensitiven Blick auf die dokumentarisch interessanten Augenblicke zu erhalten. Durch seine Fähigkeit, Nähe zu den Protagonisten aufzubauen, gelingen ihm Momentaufnahmen von erstaunlicher Intensität. Obwohl Lillehammer eher die leiseren Töne der Fine Art Photographie instrumentiert, ist dem Betrachter der formale Zusammenhang seiner Arbeiten sofort zugänglich.

 

Josef Beyer ist trotz seines noch recht jungen Alters ein vollendeter Photograph. Seine Beobachtungen mit der Kamera heben sich deutlich ab vom ubiquitär verfügbaren Einerlei der Bildwelten seiner Altersgenossen. Den sensiblen Umgang mit dem Licht hat das Theaterkind beim Vater an den Münchner Kammerspielen gelernt, den Zugang zum Motiv, Cadrage und Bildaufbau im Photographiestudium verfeinert. Die sehr spezielle Ästhetisierung der Alltags hat er sich im schnellen Leben als kreativer Sparringspartner seiner Ehefrau, der großartigen Elizaveta Porodina, selbst erarbeitet.

Der passionierte Musiker braucht kein opulentes Set, keine Protagonisten, keine Props. Josef Beyer findet seine Motive überall, er unterläuft traditionelle Sehgewohnheiten und konditioniert den Betrachter, genauer hinzusehen. Im Ergebnis fühlt man sich unweigerlich an die stilprägende Düsseldorfer Schule erinnert.

 

K.S. Neupauer ist das enfant terrible der europäischen Photographenszene. Der zwischen Berlin, Los Angeles und Österreich pendelnde Autodidakt hat sich mit opulenten Inszenierungen einen Namen gemacht. Einer wie er taucht die gesamte Fußballeraristokratie des FC Bayern in Milch, schleust seine Protagonisten ins Feld der Tour de France ein oder überrascht Medienikonen wie Lady Gaga im eigenen Bühnenbereich mit einem improvisierten Set.

Neupauer polarisiert gerne. Seine Lichtführung ist unique, sein Szenenbild theatralisch. Dabei lässt sich der Künstler kaum festlegen. Gerade noch glaubt man die DNA seiner dramatischen Inszenierungen im großen Set entschlüsselt zu haben, schon macht er sich ganz ohne Tross auf, um wochenlang in der available light Schwarz-Weiß-Photographie zu versinken. Im Ergebnis sind seine Arbeiten immer doppelbödig, oft barock, manchmal sperrig, selten leise, aber wirklich nie belanglos.